Städtetrips in Kombination mit Meer sind sowieso schon ein ziemlich gutes Argument. Wenn’s dann noch hervorragendes Essen, grandiosen Kaffee und wunderschöne Gassen mit gefühlt 3.000 Jahre Geschichte zum Anfassen gibt – dann braucht man eigentlich keinen weiteren Überzeugungsversuch mehr.
Darf ich vorstellen: Thessaloniki. Athens coole kleine Schwester hat von Kultur über Kulinarik bis hin zu Shopping alles, was einen richtig guten Städtetrip ausmacht. Und eben dieses Meer direkt vor der Tür. Noch dazu sind die Flüge gerade wirklich erschwinglich – also: Hast du die Flugsuch-App schon offen? Oder warst du etwa schon da?
Wir haben in Thessaloniki übrigens unseren ersten Trip als Eltern, aber ohne Kinder verbracht. Das Ergebnis nach dieser Eltern-Auszeit war allerdings etwas ernüchternd im besten Sinne: Wir reisen ohne Kinder gar nicht so anders als mit. Die Kaffeepausen waren tatsächlich ein bisschen ruhiger. Und Spielplätze haben wir nur aus sicherer Entfernung betrachtet.Aber das Programm könnt ihr auch gut und gerne mit Kids durchziehen.




Ob nun mit Kindern oder ohne – hier kommt unsere Agenda für ein perfektes Wochenende in Thessaloniki.
Disclaimer: Wir waren Ende April da und hatten traumhaftes Wetter. Den Berliner Winter noch in den Knochen, haben wir das gesamte Wochenende draußen verbracht. Thessaloniki hat auch richtig gute Museen – die heben wir uns fürs nächste Mal auf.
Freitagabend in Thessaloniki: Ankommen und einfach treiben lassen

Um ein Gefühl für Thessaloniki zu bekommen, braucht ihr keinen Plan. Spaziert einfach durch die Gassen – am besten im Viertel Ladadika oder rund ums Universitätsviertel. Klein, aber mit diesem wunderbaren urbanen Charme: gepflasterte Straßen, ein Mix aus alten Lagerhäusern und lebendigen Lokalen.
So ab 21 Uhr tobt hier das Leben – und zwar richtig. Auch die Spielplätze sind noch voll. Vor Mitternacht schlafen die Kinder Thessalonikis scheinbar nicht.
Wir waren an unserem ersten Abend in Thessaloniki rund um den Galerius-Palast unterwegs. Hier gibt es viele Restaurants, die die typisch griechischen Meze anbieten – diese gemischten kleinen Speisen, bei denen man immer mehr bestellt als man essen kann. In manchen Lokalen gibt es sogar Live-Musik. Wir haben uns für das Restaurant entschieden, in dem gefühlt die meisten Einheimischen saßen. Essen und Stimmung: top. Für einen Drink danach ist die Auswahl ebenfalls endlos. Einfach weiter schlendern und schauen, wo was los ist.
Samstags in Thessaloniki: Von der Antike zum Sonnenuntergang am Meer
Brunch & Antike

Startet den Tag bei Brunchsin – eines der beliebtesten Brunch-Lokale der Stadt, und das nicht ohne Grund. Große Portionen, kreative Kombinationen und freundliches Personal. Die Soufflé-Pancakes sind berüchtigt, aber die herzhaften Eierspeisen lassen auch nicht zu wünschen übrig.
Direkt ums Eck wartet tausende Jahre alte Geschichte. Der Galeriusbogen (Kamara) ist kostenlos zugänglich und wirklich beeindruckend – einfach durch die Bögen laufen und die römischen Reliefs aus dem 4. Jahrhundert anschauen. Wer noch mehr will, macht einen Abstecher in die Rotunda (Eintritt ca. 8 €) – ein riesiger runder Baukörper, der erst Mausoleum war, dann Kirche, dann Moschee. Allein die Dimension des Raumes ist atemraubend.
Kaffee & Streetfood treffen auf Geschichte

Direkt neben dem Rotunda-Komplex liegt das kleine, leidenschaftlich betriebene Café Sortie. Der Besitzer ist ein echter Kaffee-Nerd, der Espresso wirklich gut. Für alle, die Kaffee als mehr als ein Heißgetränk betrachten: Pflichtprogramm.
Frisch gestärkt könnt ihr weiter spazieren zur wunderschönen alten Basilika Panagia Acheiropoietos. Direkt nebenan gibt es bei Paperpag Streetfood die leckersten und frischesten Sandwiches der Stadt – und zwar in einer Größe, bei der uns am Ende zu zweit eine Portion gereicht hätte. Kleiner Bonus: Die benachbarte U-Bahn-Station ist selbst eine Sehenswürdigkeit. Da man in Griechenland nirgendwo eine Schaufel in die Erde stecken kann, ohne eine Antiquität auszugraben, wurden auch hier Reste einer 2.000 Jahre alten Siedlung entdeckt – und sind jetzt direkt an der Station ausgestellt. Casual.
Am Nachmittag bietet sich eine Free Walking Tour an, um die Stadt mit ein paar Hintergrundinformationen nochmal neu zu entdecken. Wobei „free“ eigentlich irreführend ist: Die Touren laufen auf Spendenbasis, und nichts zu geben ist in meinen Augen keine wirkliche Option. Wer gerade keine Lust auf Geschichte hat, kann alternativ einfach durch die Läden stöbern – von internationalen Ketten bis zu kleinen alternativen Shops ist alles dabei.
Thessaloniki bei Sonnenuntergang

Am frühen Abend: ab ans Meer. Der Weiße Turm ist das Symbol der Stadt – man kann rein (ca. 6 €) und bekommt dafür einen interessanten Überblick über 2.300 Jahre Stadtgeschichte auf sechs Stockwerken. Aber ehrlich gesagt reicht auch der Spaziergang davor und dahinter vollkommen aus. Die Uferpromenade in Richtung Süden ist wunderschön, der Blick auf den Golf von Thessaloniki und die Bergkette dahinter ist an klaren Tagen spektakulär – und wenn ihr Glück habt, seht ihr sogar den Olymp am Horizont.
Richtung Sonnenuntergang ist hier richtig was los. Gefühlt ist ganz Thessaloniki auf den Beinen, es gibt mobile Stände mit Drinks und Snacks, und wenn die Sonne über dem Hafen untergeht, ist es einfach wunderschön.
Unsere Empfehlung bei schönem Wetter: Holt euch das traditionelle gefüllte Blätterteiggebäck Bougatsa – gefüllt mit Käse oder süßem Grieß – bei diesem Laden und macht daraus einfach ein Picknick am Meer. Den Nachtisch gibt es in Form von großartigen halbgefrorenen Törtchen hier. Günstiger, schöner und entspannter als jedes Restaurant.
Sonntags in Thessaloniki: Taucht ab in die Oberstadt

Das ultimative Sonntagsbrunch findet ihr bei Harry’s – der perfekte Start für den letzten Tag.
Danach auf zur Haltestelle des Touristenbusses Nummer 50 – für gerade mal 2 Euro fährt er hinauf nach Ano Poli, in die Oberstadt, und man bekommt nebenbei noch ein paar Stadtinfos. Falls der Bus gerade nicht kommt – bei uns war wegen eines Marathons die Strecke gesperrt – einfach ein Taxi nehmen (hat uns 6 Euro gekostet) oder sportlich den Hügel hochlaufen.
Ano Poli ist der einzige Stadtteil Thessalonikis, der den großen Stadtbrand von 1917 überlebt hat. Enge Gässchen, Häuser mit Holzbalkonen, Katzen auf Mauern, byzantinische Stadtmauern, die plötzlich zwischen Wohnhäusern auftauchen. Was den Charme ausmacht? Hiier leben echte Menschen, und das spürt man in jeder Gasse. Einfach raufgehen, sich verlieren, treiben lassen. Wer noch mehr Geschichte möchte, kann das Heptapyrgio ansteuern. Die byzantinische Festung ganz oben (Eintritt ca. 10 €). Der Ausblick über die gesamte Stadt und den Golf ist aber auch von draußen schon unglaublich.
Die kleinen Cafés in Ano Poli sind noch ein echter Geheimtipp – oft ohne Namen, dafür mit traumhafter Aussicht und Locals, die Backgammon spielen. Wir sind am Ende aber doch im Little Big House gelandet, weil es so wunderschön bunt war und die süßesten Katzen dort wohnen.
Fazit: ein Wochenende in Thessaloniki
Thessaloniki ist eine dieser Städte, die man unterschätzt – und die einen dann einfach umhaut. Geschichte auf Schritt und Tritt, Essen, das süchtig macht, Kaffeekultur auf höchstem Niveau und einfach das Meer vor der Tür. Ob als Elternauszeit, Städtetrip mit Freunden oder Familienausflug: Thessaloniki funktioniert für alle. Und die Flüge sind, wie gesagt, gerade wirklich erschwinglich.
Na, wann buchst du?
Warst du schon in Thessaloniki? Hinterlasse uns einen Kommentar – wir freuen uns auf eure Tipps für den nächsten Besuch!
Noch nicht ganz überzeugt? Warum Familienurlaub in Griechenland so eine gute Idee ist, kannst du hier nochmal nachlesen. Noch mehr Griechenland-Tipps gibts übrigens auch in unserem Peloponnes mit Kindern-Artikel und auch im zweiten Teil zum Familienurlaub auf dem Festland in Griechenland.
